10 Jahre Baltistik

Zehn Jahre Institut für Baltistik der Universität Greifswald geben mir Anlaß mit einigen Worten zurück- und ebenso vielen Worten vorauszublicken. Die Einrichtung des Studienfaches Baltistik 1991 sowie die Gründung des Institutes 1993 sind im Wesentlichen eine politische und hochschulpolitische Entscheidung in der Folge der Wiedervereinigung Deutschlands gewesen. Die Entscheidung, in Greifswald ein Fach Baltistik einzurichten, darf als damals mutiger Schritt bezeichnet werden, da es zu dieser Zeit noch gut ausgestattete Lehrstühle für Baltistik in Münster und München gab. Unter dem ersten Direktor des Institutes, Prof. Dr. habil. Rainer Eckert, konnte sich das Greifswalder Institut schnell einen guten Namen in Lettland und Litauen, aber auch in Skandinavien erarbeiten. Als ich 1997 von München nach Greifswald berufen wurde, war die Universität München zu bedeutenden Einsparungen gezwungen, und die Baltistik dort wurde nach meinem Weggang geschlossen.

Inzwischen droht auch das Ende der Baltistik in Münster, die dort von Prof. Dr. Friedrich Scholz, zu einer der führenden Einrichtungen in der Welt aufgebaut worden war. Die Baltistik in Greifswald ist nun die einzige derartige Wissenschaftseinrichtung in Deutschland. Dies legt uns eine besondere Verantwortung auf, da wir – ich bitte das recht zu verstehen – konkurrenzlos sind. Das Profil des Institutes hat sich in den letzten 5 Jahren etwas geändert, aus dem Kernbereich der philologischen Forschung und Lehre öffnen wir uns zunehmend gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Dass dies positiv aufgenommen wurde, zeigen nicht nur langsam aber stetig wachsende Studentenzahlen, sondern auch die vielfältigen Kooperationen des Institutes. Das Bachelor-Studium stellt uns vor neue Aufgaben. Vorausblickend ist allen am Institut klar, dass die Herausforderungen zukünftig noch größere sein werden: noch mehr Kreativität und Wissenschaft in Forschung und Lehre, noch weniger Geld für beides. Zum 15.

Jubiläum der Einrichtung des Faches Baltistik in Greifswald wird es nicht nur einen neuen Institutsdirektor geben, auch der Studiengang Baltische Philologie wird sich ganz sicher verändert haben. Dazu wünsche ich allen, die am Institut zum Wohle der Baltistik arbeiten oder arbeiten werden, Kraft und Erfolg sowie weiterhin eine nachhaltige Unterstützung durch das Dekanat und die Universitätsleitung.

 

Prof. Dr. phil. Jochen D. Range

Direktor des Institutes für Baltistik